Friday, December 22, 2006

"Perspektiven der Inforamtionstechnologie in der Pflege

PrInterNet 05/05 Seite 296 – 304

In dem Artikel „Perspektiven der Informationstechnologie in der Pflege“, beschreibt Egbert Opitz umfangreich und ausführlich die Notwendigkeiten und momentanen Grenzen für die Einführung von Informationstechnologien in der Pflege.

Ich möchte in erster Linie die Darstellung der Kosten und Nutzen aus diesem Artikel besprechen.

Der grundsätzlich hohe Bedarf an Informationsverarbeitung in der Pflege, wird sich durch die demographische Entwicklung und dem bereits bestehenden personellen Engpass von Pflegekräften und den daraus resultierenden Problemen, noch verschärfen.

Das bedeutet, sich für die computer-gestützte Informationsverarbeitung in der Pflege vermehrt zu öffnen.

Es gilt den Bereich von patientenorientierten Daten in der unmittelbaren Tätigkeit am Patienten, zum Wohle des Patienten, vermehrt Aufmerksamkeit zu schenken.

Dies stellt hohe Anforderungen an ein IT-System, das mehr als betriebswirtschaftliches und Controlling- Daten generieren soll.

Hier werden sechs Ziele genannt, die ein IT-System verfolgt:

Sicherheit – Effektivität – Patientenzentriertheit – Rechtzeitigkeit – Effizienz und Gerechtigkeit.

Opitz beschreibt anhand eines 140-Betten-Hauses, wo durch erhebliches Engagement einzelner, starker Persönlichkeiten die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen wurden, ein berufsübergreifendes Instrument der elektronischen Krankenakte zu implementieren.

Es wird deutlich, dass Kosten neben den erheblichen personellen Ressourcen, Kosten für Hard- und Software, Schulungen für das Pflegepersonal und die Ärzte usw. ernorm sind. Umgerechnet auf die Uniklinik Marburg werden hier etwa 1 Millionen Euro genannt.

Dem gegenüber beschreibt Opitz jedoch das ernorme Einsparpotential durch Erinnerungs- und Warnsysteme (reminders, alerts) die Vermeidung von Behandlungsfehlern deutlich zu steigern. (Robert-Koch-Institut 2001). 2003 geht der Sachverständigenrat für die konzertierte Aktion im Gesundheitswesen ausführlich auf die Thematik ein.

Behandlungsfehler durch z.B. falsche Medikamentengabe oder Kontraindikationen mit anderen Mitteln, die im Computer-System automatisch angegeben wurden konnten deutlich gesenkt werden.

Für den pflegerischen Bereich wird die Dekubitusinzidenz beschrieben. Schätzungen zufolge belaufen sich die Behandlungskosten in Dtschld. für die Behandlung von Dekubiti von jährlich 0,8 – 3 Milliarden Euro. (DNQP 2003, Robert-Bosch-Stiftung 2002, Stiftung Pflege 2003). Eine Studie in einem Krankenhaus in Salt Lake City (Utah, 520 Betten) ergab 6 Montate nach Implementierung eines Reminder-gestützten Dokumentationsmoduls in einer internistischen Einheit eine gesenkte Dekubitusinzidenz von 7% auf 2%.

Desweiteren gilt es die Vorteile der computergestützten Systeme für die tgl. Routine zu nutzen.

Resümee:. Nutzen und Kosten müssen sorgsam gegeneinander abgewogen werden. Denn die Einführung solcher IT-Systeme sind mit erheblichen Kosten verbunden und binden enorme personelle Ressourcen. Der Nachweis von Kosten/Nutzen bedarf weiterer umfangreicher und aufwendiger Studien. Es bleibt abzuwarten wie sich dieser Bereich weiter entwickeln wird.

6 Comments:

Blogger nalan said...

Unbestritten sollten Kosten und Nutzen sorgsam abgewogen werden!
Selbstverständlich sind alle neu einzuführenden Systeme, ob Information Technologie oder handgestützte Papierdokumente immer mit anfänglichen mehr Kosten verbunden!
Gibt es Vergleiche an Studien oder Abrechnungssysteme die derzeitig angewandte Papierdokumentationen in einem Unternehmen, nach Kosten und Nutzen untersucht haben? (Ein Vergleich beider Systemformen würde eine langfristige und konkrete Einschätzung über deren Wirtschaftlichkeit erbringen).
Ich denke die Kosten halten sich die Waage, bei der derzeitigen Papierflut an meldepflichtigen Informationen.

27 December, 2006  
Blogger B.Besserer said...

Einen wichtigen Aspekt bei der ganzen Debatte um die Kosten und Nutzen von Pflegedokumentationssysteme ist meiner Ansicht nach, neben den zu erwarteten Kosten auch den finanziellen Nutzen, z.B. wie in diesem Blogg beschrieben, die Reduzierung der Dekubitusinzidenzrate sichtbar zu machen. Nur wenn es der Pflege gelingt, verwertbare Daten zu erlangen die einen wirtschaftlichen Benefit erwarten lassen, gelingt es, Zweifler und „Blockierer“ zu überzeugen. Ein Pflegedokumentationssystem, welches nur aufgrund Druck durch eine übergeordneten Stelle implementiert wird, ohne dass eine vorausgegangenen Einbeziehung der damit Arbeitenden stattfindet, und ohne dass ein Nutzen der über eine bloße rechtliche Verpflichtung hinausgeht vermittelt wird, wird es schwer haben, Akzeptanz zu finden. Das große Potential welches in der Einführung EDV gestützter Pflegedokumentationssysteme liegt, nämlich das Nachweisbar machen geplanter Pflege, die Sammlung von verwertbaren Daten und dessen Nutzung für eine verbesserte Patientenversorgung und nicht zuletzt die Aufwertung pflegerischen Tuns, sollten Argumente für die Einführung sein.

29 December, 2006  
Blogger Stefan said...

Medikamentenfehler,
Laut einer Studie des Institute of Medicine (IOM) steht der Tod durch Medikamentenfehler an achter Stelle im Todesursachenranking in den USA.
“The statistics in the IOM report, which were based on two large studies, suggest that medical errors are the eighth leading cause of death among Americans, with error-caused deaths each year in hospitals alone exceeding those from motor vehicle accidents (43,458), breast cancer (42,297), or AIDS (16,516).”

Es sollte entsprechende Sicherungssysteme geben die so etwas verhindern.
Stefan

http://www.fda.gov/fdac/features/2000/500_err.html

30 December, 2006  
Blogger bernhardffm said...

Die Nutzen von EDV-Gestützten Informationstechnologien, mir gefällt der begriff EDV besser als IT, da er beschreibt was es ist, eine Verarbeitung von Daten (in der Regel sehr viele) in kurzer Zeit, liegt hauptsächlich darin, sehr schnell auf alle möglichen Daten Zugriff zu haben, seien es Patientenaten, Behandlungsdaten Standards etc., Nichts geht mehr verloren bzw. muß gesucht werden, es sei denn man hat keine oder eine schlechte Sicherungsstrategie.
Zu beachten ist auch, wenn Müll reingeht kommt Müll raus; Entscheident für die Qualität, etwa die Pflegequalität ist wer dahinter denkt.

18 January, 2007  
Blogger vesi said...

Die Erfassung pflegerelevanter Kennzahlen aufgrund von EDV- gestützter Pflegedokumentation ist sicherlich von hohem Nutzen, gerade wenn man bedenkt, dass die Pflege sich im Krankenhaus positionieren muss. Ich möchte jedoch kritisch anmerken, ob es tatsächlich möglich ist die Dekubitusinzidenz aufgrund der EDV- Unterstützung zu senken, so wie in der Studie des Krankenhauses Salt Lake City beschrieben. Meines Erachtens nach war die Senkung eher ein Effekt der Laboratoriumsmethode. Die Mitarbeiter des Krankenhauses waren sich der Studie bewußt und haben vielleicht präziser dokumentiert, da sie auch vom System an die Dokumentation erinnert wurden.

05 March, 2007  
Blogger helga noll said...

Kommentar zu
Perspektiven der Informationstechnologie in der Pflege
Aus der Sicht der der Pflege sollten Informationssysteme drei Hauptaufgabengebiete abdecken. Rohdatenerfassung, Pflegestandards und Entscheidungshilfen.
Erwähnt wurde .“.Es gilt Bereich von patientenorientierten Daten in der unmittelbaren Tätigkeit am Patienten , zum Wohle des Patienten Aufmerksamkeit schenken“. Hier ist bestimmt die Erfassung der Rohdaten gemeint. Patientennahe Systeme sind noch nicht weit verbreitet und bergen daher auch immer noch Fehlerquellen und doppelte Arbeit der externen Eingabe im Stationszimmer. Weitere Forderungen sind unkomplizierte Bedienung, und Lesbarkeit im Dunklen. Lösungen könnten hier am Bett installierte Geräte oder an der Wand befestigte Geräte, die mit dem Zentralrechner kommunizieren können. Auch mobile Handgeräte sind im Einsatz sinnvoll.

HN

05 March, 2007  

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