Sunday, January 07, 2007

ePa©-Acute Care: Ein Mittel um den Pflegeaufwand zu messen?

ePa©-Acute Care
Ein Mittel um den Pflegeaufwand zu messen?

1. Einleitung
In diesem Beitrag möchte ich im Besondern auf den Nutzen von Pflegeinformationssystemen eingehen und ein Beispiel für ein EDV-gestütztes Pflegeassessmentinstrument aufzeigen. Ein, zurzeit für die Pflege, entscheidender Nutzen wird sein, den Pflegeaufwand zu messen und entsprechend in die DRGs mit einfließen zu lassen. Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD vom 11. November 2005 wurde folgende Vereinbarung getroffen:

„Krankenhausversorgung
Spätestens 2008 ist der ordnungspolitische Rahmen für die Krankenhausversorgung nach dem Ende
der Konvergenzphase festzulegen. Um Fehlentwicklungen zu vermeiden, soll geprüft werden, ob die
Kalkulationsmethode der DRGs den Pflegeaufwand und die Kosten der Weiterbildung angemessen
abbildet.“ (Koalitionsvertrag, 11.11.2005, CDU, CSU, SPD)

Sascha ist in seinem Beitrag vom 6. Dezember „Nutzen von Pflegeinformationssystemen im Hinblick auf eine mögliche DRG- Finanzierung“ schon auf die Wichtigkeit der Erhebung von konkreten Daten eingegangen. Auch wurden in dem Kommentar von Kuredu zu diesem Artikel wichtige Hinweise zur Erfassung von Daten gegeben.

Nun stellt sich das Problem, wie man den Pflegeaufwand messen kann; wie generiert man genügend realistische Zahlen, um den Forderungen der Politik nachzukommen. Wie kann die Pflege letztendlich nachweisen, welche Personalressourcen sie braucht, um den Anforderungen gerecht zu werden und festzustellen, welchen Bedarf gibt es überhaupt.

2. Pflegeassessment

Eine Möglichkeit sind standardisierte Assesmentinstrumente. Eine eindeutige Definition für den Begriff scheint es noch nicht zu geben. Hier die Definition aus Wikipedia:
„Pflegeassessment ist die Anwendung allgemeiner Assessment-Strategien in der Pflege. Hier geht es konkret um das "Messen", "Einschätzen" und "Bewerten" von pflegebezogenen oder pflegerelevanten Zuständen. Diese Zuordnung folgt nach bestimmten Regeln. Innerhalb der Pflege wurde der Assessment-Begriff 1996 im Rahmen der Pflegeversicherung als Wort und auch als Thema eingeführt. Diese "geeignete" Zuordnung kann sich aufgrund der besonderen Expertise der Pflegeperson ergeben oder durch weitgehend objektive Messinstrumente.“
3. ePA©-Acutecare

ePA© bedeutet „ ergebnisorientiertes Pflegeassesment“. Mit diesem Instrument kann der erste Schritt des diagnostischen Prozesses abgebildet werden. Durch eine standardisierte Erfassung bestimmter Merkmale, ist es möglich, den Pflegeaufwand zu messen und einen pflegerischen Case Mix Index zu ermitteln. Anhand der Messung zu verschieden Zeiten, während des Patientenaufenthaltes, ist mit Hilfe des CMS (Case Mangemnent Scores) eine Verlaufsdarstellung möglich.
Die Erfassung erfolgt durch Auswahllisten (10 Kategorien mit 50 Items), denen Kataloge hinterlegt sind.

Entwickelt wurde ePA©, 2003 in der Abteilung Pflegeforschung der Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken. Es gibt eine Papierversion und eine EDV gestützte Version.

Laut den Entwicklern, kann ePA© mit anderen Systemen verbunden werden, wie zum Beispiel mit Pflegediagnosen (NANDA), einer Leistungserfassung (LEP) und Sprach- und Klassifikationssytemen (ENP oder ICNP).

ePA© wurde wissenschaftlich getestet.

4. Eigene Erfahrungen

Ich hatte und habe persönliche Erfahrungen mit ePA© gemacht, da ich auf einer der Stationen arbeite, auf denen ePA© zuerst in Papierform und seit 2006 auch in einer EDV Version getestet wurde. Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben sich alle Kollegen dann doch recht schnell in das System einfinden können. Für mich besonders interessant war, neben der Messung des Pflegeaufwandes, die Darstellung der Verläufe durch alle 3 Tage wiederholte Einstufungen und bei akuten Geschehen. So ist es möglich, einen genauen Verlauf des Aufenthaltes darzustellen.
Die Ermittlung des CMS hat den Vorteil, sofort sehen zu können, wann das pflegerische Casemanagemt und oder der Sozialdienst eingeschaltet werden sollte.
Auch ist bedingt das „benchmarking“ verschiedener Abteilungen möglich. Gekoppelt mit einer Leistungserfassung, wäre hier eine bedarfsgerechtere Personalsteuerung denkbar.
Auf jeden Fall liefert das System eindeutige pflegerische Kennzahlen.
Meiner Meinung nach, ist der Einsatz eines Systems wie ePA©, ein Muss. Allerdings am besten in der EDV- basierten Version. Es würde der Pflege des Patienten, im einzelnen, aber auch der Pflege als Berufsgruppe nutzen.
Voraussetzung dafür aber ist, dass es zu keinem weiteren Personalabbau in der Pflege kommt, weil dann niemand mehr da ist, der irgendetwas dokumentieren kann.

http://www.epa-online.info/

http://koalitionsvertrag.spd.de/servlet/PB/show/1645854/111105_Koalitionsvertrag.pdf)

(http://www.pflegewiki.de/wiki)

5 Comments:

Blogger IB said...

Ich finde den Artikel von Stefan sehr interessant, da ich mir im Moment auch selbst einen Überblick über ePA verschaffen will und es gut finde über die in der Praxis gemachten Erfahrungen zu lesen.

Eine nicht computergesteuerte Version halte ich allerdings auch für nicht mehr zeitgemäß.

ePA ist endlich mal ein in Deutschland entwickeltes Assessmentinstrument. Das freut mich persönlich auch sehr, da meistens die in England oder Amerika entwickelten Instrumente übernommen werden müssen.

12 January, 2007  
Anonymous Norma said...

Zum ePA-AC wurden die ersten Ergebnisse der klinischen Testung ins Internet gestellt.
Unter http://www.epa-online.info/wblite kann man sich kostenlos registrieren und dann im für Mitglieder reservierten Downloadbereich die entsprechenden Dateien herunterladen!
Gruß
Norma

13 January, 2007  
Blogger vesi said...

Die Verknüpfung von politischen Forderungen und den praktischen Erfahrungen mit ePA finde ich sehr interessant. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob sich bei den DRG`s die pflegerelevanten Daten finanziell bemerkbar machen. Es sollte politisch gefordert werden, dass bundesweit jedes Krankenhaus mit einem Assessmentinstrument arbeiten. Nicht nur die Mediziner sollten ihre Leistungen abbilden sondern auch die größte Berufsgruppe eines Krankenhauses, nämlich die der Pflegenden.
ePA scheint ein sehr umfassendes Instrument zu sein, welches zudem noch aus dem deutschsprachigen Raum kommt und wissenschaftlich erprobt ist. Ich bin gespannt, wie es sich in den Kliniken etabliert und genutzt wird. Schade ist, dass die Einführung von Assessment- instrumenten kostspielig ist und ein Krankenhaus der mittleren Größe (260 Betten) vor den Kosten zurückscheut. Es bleibt zu Hoffen, dass auch kleinere Kliniken die Notwendigkeit der Umsetzung pflegewissenschaftlicher Entwicklungen irgendwann sehen.

26 February, 2007  
Blogger Udo said...

Sicherlich ist ePA© ein sehr nützliches System um Pflegeaufwand zu messen und Daten miteinander zu verbinden. In unserem Haus wurde vom MDK eine genaue Dokumentation der Therapieminuten gefordert. Als erster Schritt wurde die Zeit gestoppt, die die einzelnen Maßnahmen in Anspruch nehmen. Im nächsten Schritt wird nun eine jede pflegerische Therapiehandlung per Handzeichen abgehakt. Im letzten Schritt werden die Therapiezeiten addiert und man schaut, ob man den vorausgesetzten Wert erreicht hat. In diesem Fall hätte man es mit einer elektronischen Erfassung mit gleichzeitiger Auswertung sicherlich um ein Vielfaches einfacher.
Zur Personalbedarfsrechnung wiederum kann ich mir dieses Instrument gar nicht vorstellen, da hier doch sicher ein immens hoher Pflegepersonalbedarf das Resultat sein müsste.

08 March, 2007  
Blogger lupus said...

Leider bedeutet Standardisierung auch meist wenig Spielraum für Indivualität...
Außerdem wäre es für mich interessant von den Entwicklern von ePA zu erfahren, welche Wirkung sie von den Ergebnissen, die ePA liefern soll, erwarten.
Versuche der standardisierten Abbildung von Leistungen sind zudem ja nicht neu - man denke nur an die Pflegepersonalregelung. Deren Konsequenzen sind in der betriebswirtschaftlich geprägten Krankenhauslandschaft heute weder umsetzbar noch einforderbar und bei den verantwortlciehn Geschäftsführungen und Verwaltungsdirektionen letztendlich auch äußerst ungern in der Argumnentation gesehen.

14 March, 2007  

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