Sunday, November 26, 2006

Fachkraft für Informations- und Kommunikationstechnologie in der Pflege

1. Einleitung
Der Einsatz von moderner Informations- und Kommunikationstechnologie (IuK) hat in den letzten Jahren rasant zugenommen.
Anfang der 90er Jahre genügte es in den meisten Einrichtungen noch, wenn eine „computerversierte“ Pflegekraft auf Station war, die sich mit der lästigen Eingabe von Laboraufträge oder mit den Verlegungen auseinandersetzte. Heute beanspruchen die Dokumentationstätigkeiten am PC ein größeres Zeitvolumen.
Die Pflege ist durch stetig steigende Kosten und veränderte politische Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen dazu gezwungen ihr Leistungsspektrum aufzuzeigen.
Hierfür ist es dringend nötig, suffiziente Leistungserfassungssysteme in den Gesundheitseinrichtungen einzuführen. Damit aber auch eine verwertbare Datenerhebung erfolgt, ist es nötig, die erforderliche Akzeptanz beim Pflegepersonal zu gewinnen.
Durch die Fachweiterbildung IuK soll die effektive und effiziente Bearbeitung pflegerischer Anforderungen an die Informations- und Kommunikationstechnologie gewährleistet werden.
2. Voraussetzungen
Voraussetzung für die Fachweiterbildung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung in der Pflege, sowie mindestens 2 Jahr Berufserfahrung.
3. Inhalte
Das Curriculum befasst sich sehr realitätsnah mit der pflegerischen Berufswelt und den damit verbundenen Arbeitsprozessen. Chancen und Grenzen sollen erkannt werden, Arbeitsprozesse in der Pflege analysiert, optimiert und begleitet werden. Eigentliches Arbeitsfeld ist die Praxisebene, die Beratung und Begleitung der Institution bei der Auswahl passender Systeme. Mitarbeiter werden bei der Anwendung von IuK unterstützt und beraten. Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Verbindung zum Management.
Insgesamt umfasst die einjährig angelegte berufsbegleitende Fachweiterbildung in Deutschland 500 Stunden. Abgeschlossen wird die Fachweiterbildung mit einem schriftlich verfassten Projektbericht, einer Projektpräsentation sowie einem Kolloquium.
4. Nutzen
Durch den Einsatz der IuK Fachkräften erhofft man sich eine bessere Begleitung der Pflegenden im Umgang mit IuK. Die Pflege soll ihre Befangenheit im Umgang mit EDV verlieren. Hierzu sind die IuK Kollegen besonders geeignet, da von deren Seite ein größeres Verständnis erwartet wird. Jede Pflegekraft kann sich an unangenehme Kontakte mit der „EDV“ erinnern, bei der ihr das Gefühl größtmöglichen Unvermögens vermittelt wurde.
Als weiteren Vorteil sehen die Initiatoren dieser Weiterbildung den Aspekt, das Daten gewonnen werden, die geeignet sind, die Arbeitsabläufe besser abzubilden und ggf. zu hinterfragen. Durch die Fachweiterbildung soll die Pflege dazu befähigt werden, Konzepte und Systeme für die verschiedenen Anwendungsbereiche zu entwickeln, sowie die Anforderungsprofile für die IuK- Entwicklung, -Planung und -einführung voran zu treiben.
5. Fazit
Es nutzt einer Einrichtung wenig, wenn sie „von oben“ ein Pflegedokumentationssystem erwirbt, das nur notdürftig von der EDV betreut wird und keine Akzeptanz bei den Pflegenden findet.
Oft wird bei solchen Einführungen die mangelhafte Begleitung und Ansprechbarkeit der Betreuenden beklagt ( sei es nun die Software Firma oder die EDV Abteilung).
Die vor Ort eingesetzte Fachkraft für IuK ermöglicht einen besseren Umgang, da aktuell und Problembezogen reagiert werden kann. Ebenso kann die Fachkraft auftretende Probleme differenzierter einschätzen und Veränderungsvorschläge formulieren.
Kosten und Nutzen EDV- gestützter Dokumentationssystemen können nur gut erfasst werden, wenn sie von kompetenten Mitarbeitern aus der Pflege betreut werden, die in Zusammenarbeit mit der EDV Abteilung Anpassungen und Verbesserungen erarbeiten.
Literatur: Brünz, Heinz, Wehmhörner, Ina: Fachweiterbildung für Informations- und Kommunikationstechnologie in der Pflege in: Pflegeinformatik in Europa, Bd. 1,
Link: www.pr-internet.com

13 Comments:

Blogger ssl said...

Die in diesem Artikel beschriebene Notwendigkeit für eine spezielle Fachweiterbildung IuK in der Pflege schließt an die Studie aus Heidelberg an. Hier wurde das EDV-System PIK auf vier Pilotstationen eingeführt und es wurden durchaus positive Effekte für die Pflegedokumentation nachgewiesen. Die Nachhaltigkeit allerdings kann nur gewährleistet sein, wenn die Akzeptanz der Pflegekräfte für EDV-gestützte Dokumentationssysteme gesteigert wird und die MA in der Pflege letzendlich eine Entlastung im Bereich Dokumentation erfahren und zuverlässig und kompetent angeleitet und begleitet werden. Die Sammlung von Daten macht darüber hinaus nur Sinn, wenn diese zur Steigerung und für das Management ausgewertet werden uns so genutzt werden können. Dies spricht, meiner Ansicht nach, für eine solche Weiterbildung als Teilaspekt für die Einführung von Pflegeinformationssystemen.

03 December, 2006  
Blogger ssl said...

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03 December, 2006  
Blogger nalan said...

Der Grundgedanke der (IuK) ist nicht schlecht.
In der Praxis wird es jedoch so sein, das es vor Ort „ausgewählte“ Mitarbeiter gibt, die sich um die Weiterentwicklung und die Problembehebung solcher Pflegeinformationssysteme kümmern, und auf der anderen Seite wird es die Mitarbeiter geben, die nach wie vor Hemmungen von der eingesetzten EDV haben und bereitwillig die aktive Versorgung am Krankenbett vorziehen, um nach wie vor nur das nötigste im elektronischen Pflegedokumentationssystem einzugeben.

04 December, 2006  
Blogger sascha said...

... aber wäre eine institutionsinterne Anwenderschulung hier nicht die bessere und günstigere Möglichkeit Pflegenden EDV- gestützte Dokumentationssysteme nahe zu bringen? In der Praxis geht es doch in erster Linie darum, dass die EDV richtig angewendet wird ... Und eine Akzeptanzsteigerung erreichtman bei der breiten Masse der pflegenden Anwender nicht darurch, dass vereinzelte "privilegierte" Pflegekräfte zu einer Weiterbildung geschickt werden, oder?

06 December, 2006  
Blogger B.Besserer said...

Zum einen geht es nicht um eine Privilegierung einzelner Pflegekräfte, oder halten wir die Teilnehmer der Fachweiterbildungskurse für privilegiert? Oder uns, die wir mit viel zeitlichem und persönlichem Engagement diesem Studium nachgehen? Ich wehre mich gegen den Begriff „privilegiert“, da er meines Erachtens nach eine kleingeistige Neidhaltung verkörpert. Wir sollten froh sein um jeden Kollegen, der bereit ist, sich weiterzubilden und uns an seinem Wissen teilhaben lässt. V.a. ist es ja in diesen Zeiten der dahinschwindenden finanziellen Ressourcen oft so, das man eine Fachweiterbildung zumindest Teilfinanzieren muss, oder ( wie unser Studium ) gänzlich dem Privatvergnügen überlassen bleibt. Es stellt sich also ohnehin die Frage, ob und von wem eine solche Weiterbildung zur IuK Fachkraft finanziert wird.
Zum anderen ist es auf jeden Fall notwendig, wenn ein EDV - gestütztes Pflegedokumentationssystem vom Hersteller geschult wird. Nach eigenen schmerzlichen Erfahrungen bleibt es aber bedauerlicherweise oft dabei. Die Akzeptanz und der daraus verbundene Nutzen lässt sich m.E. aber erheblich steigern, wenn im Alltagsgeschäft auf Station eine geschulte Fachkraft die Einführung begleitet.

09 December, 2006  
Blogger santa claus said...

EDV-geschulte Pflegekräfte können im Arbeitsalltag hilfreich sein, beispielsweise anleitend oder als Ansprechpartner beim Erlernen einer neuen Anwendung. Eine Steigerung der Akzeptanz innerhalb der eigenen Berufsgruppe gegenüber EDV-gestützten Systemen werden sie kaum erreichen können.
Solange die Pflicht zur Dokumentation als "Last" empfunden wird, die täglich aufs neue zu bewältigen ist und EDV-gestützte Systeme "Entlastung" versprechen, kann von Akzeptanz keine Rede sein. Die lästige Pflicht wird in der Regel von denen erledigt, die "sich mit dem Computer auskennen".
Der einzige und richtige Ort um Akzeptanz langfristig und anhaltend zu schaffen und zu erhalten sind die Ausbildungsstätten, die im Bereich neuer Technologien und Medien innovativer vermitteln müssten. Mit dem Erlernen des Pflegeprozesses und seiner Dokumentation sollten Auszubildende entsprechende Hilfsmittel, und somit auch EDV-gestützte Dokumentationshilfen kennenlernen. Krankenpflegeschulen wären in diesem Sinne geeignete Arbeitsbereiche für Pflegefachkräfte im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie.

10 December, 2006  
Blogger vesi said...

Die Idee, Mitarbeiter für pflege- spezifische EDV auszubilden, ist nicht schlecht. Allerdings möchte ich anzweifeln, ob dafür eine spezielle Fachweiterbildung notwendig ist. Meines Erachtens wäre es sinnvoller, eine Schulung für alle Pflegekollegen in einem kleineren Rahmen anzubieten.Dies könnte die Scheu vor der EDV mildern und somit die Akzeptanz zum Umgang mit EDV erhöhen. Sich für eine Fachweiterbildung zu entscheiden, ist vermutlich für viele Pflegekräfte eine zu große Hürde. In meinem eigenen Arbeitsumfeld habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Umgang mit der EDV zwar interessant, jedoch auch beängstigend für viele Kollegen ist. Desweiteren sehe ich in der Fachweiterbildung die Gefahr, dass die EDV- gestützte Pflege- dokumentation auf jene übertragen wird, die darin gesondert ausgebildet wurden.Für den Bedarfs- fall bei Problemen sollte es jedoch ausgebildete Fachkräfte als Ansprechpartner geben.Ob diese nun zwingend aus der Pflege kommen müssen sei dahingestellt.

23 December, 2006  
Blogger Stefan said...

In diesem Zusammenhang möchte auf das „Nursing informatics departmet“ der clevelandclinic hinweisen. Hier hat der Pflegebereich speziell eine Abteilung, welche sich mit Informationstechnologie und Pflege bereits seit 1988, auseinandersetzt.

http://cms.clevelandclinic.org/nursing/body.cfm?id=8

03 January, 2007  
Blogger sabine said...

Wenn ich Barbaras Artikel richtig verstanden habe, geht es hierbei gar nicht darum nur einen Spezialisten für die Anwendung zu haben, von dem alle anderen abhängig sind. Ich denke schon, das es sehr sinnvoll ist jemanden vor Ort zu haben, der die Prozesse einer Einrichtung kennt und dieses Wissen um die Prozesse in die Einführung der EDV getützten Dokumentation mit einbringen kann, damit das System mit der Einrichtung kompatibel ist.Ich denke es ist ausser Frage das die Mitarbeiter zusätzlich in Einzelschulungen auf die Systeme vorbereitet werden müssen. Ich glaube ausserdem das es ein großer Vorteil ist, wenn sich die Kollegen aus der Pflege in solche Projekte einbringen und nicht immer nur die Berufsgruppe der Ärzte ihre mehr oder weniger durchdachten Ideen einbringen.

22 January, 2007  
Blogger Kuredu said...

Die oben beschriebene Vorgehensweise findet in der Praxis leider zu selten statt. Ausgewählte Bottom – up Ansätze sind kaum erkennbar. Die Angehörigen der größten Berufsgruppe moderner Gesundheitszentren scheuen bislang die intensive Auseinandersetzung mit der Thematik selbst, also der eigentlichen Anwendung der Hard – und Software einerseits, andererseits erkennen Sie nicht den Nutzen der Technik. Die Umstellung einer konventionellen Pflegeprozessdokumentation auf ein rechnerbasiertes Pflegeinformationssystem ist lediglich der Anstoß, um einen Prozess der kontinuierlichen Verbesserung in Gang zu setzen. Will man diesen Prozess langfristig erhalten, ist es, wie im kommentierten Post beschrieben, erforderlich, dass die Mitarbeiter des Pflegedienstes bereits vor, aber auch während der Einführung und der Arbeit mit dem System durch qualifiziertes Personal begleitet und unterstützt werden, sowohl im Hinblick auf die Anwendung der Software, als auch in der Anwendung spezifischer Pflegekonzepte.

02 February, 2007  
Blogger sebald said...

Auf der Station in der ich als Pflegekraft beschäftigt bin, wurde vor ca. 1 Jahr die Laboranforderungen auf EDV eingeführt. Hier hätte ich es gut gefunden, solch eine Pflegefachkraft vor Ort zu haben. Denn wir bakamen auf der Station lediglich während der Übergabezeit eine Einführung in das neue Programm. Aber über die Hälfte des Stationsteams mied bislang den PC und hatte nach der Einführung nicht genügend Kenntnisse erlangt, um mit dem Programm umgehen zu können. In den darauffolgenden Wochen machten wir uns daher im Labor nicht sehr beliebt, da vielen von uns noch Fehler unterliefen.

26 February, 2007  
Blogger Caro1 said...

Meiner Meinung nach steht es außer Frage, dass eine Weiterbildung im IT-Bereich für interessierte Pflegekräfte Sinn macht. Und dies hat nichts mit Privilegierung zu tun. Auch in anderen Berufen kann man sich weiterbilden. Dies bietet auch den Pflegekräften eine Perspektive, die irgendwann außerhalb der direkten Patientenversorgung arbeiten möchten. Denn sind wir mal ehrlich - wer kann und möchte mit 65 noch Patienten heben und über chronisch unterbesetzte Stationen rennen? Davon abgesehen ist es unbestreitbar von großem Nutzen, wenn sich nicht nur IT-Profis mit den auf Station benötigten EDV-Systemen befassen, sondern auch Pflegekräfte, die ihre praktischen Erfahrungen einfließen lassen und ihr Fachwissen an ihre Kollegen weitergeben können.
An dieser Stelle möchte ich auf den Masterstudiengang 'eHealth' an der FH Flensburg hinweisen. (für Interessierte: www.wi.fh-flensburg.de/eHealth/)

05 March, 2007  
Blogger nelemarie said...

Ich kann den Gedanken nach qualifiziertem spezifisch weitergebildetem Fachpersonal in der Informations- und Kommunikationstechnologie sehr wohl nachvollziehen, es stellt sich mir aber die Frage bezüglich der "Praxistauglichkeit" dieser ursprünglich Pflegenden:
Ich kann mir nicht vorstellen, das diese Fachkräfte in der Realität die Institution bei der Auswahl der entsprechenden Systeme begleiten und beraten, denn bisher werden diese Entscheidungen meist "top down" ohne Einbeziehung der Pflegekräfte getroffen. Ein sehr wichtiger Punkt ist laut dem Artikel die Unterstützung und Beratung der Pflegekräfte vor Ort. Wie kann 1 Fachkraft diesem Anspruch in einem größeren Haus gerecht werden, zumal viele Pflegekräfte große Berührungsängste mit dem Thema EDV an sich haben und aufgeben, sobald Probleme auftreten.Es würde mich interessieren, welche Erfahrungen bereits ausgebildete IuK Fachkräfte in der Praxis gemacht haben:

12 April, 2007  

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