Friday, January 19, 2007

Erwartungen und Ziele im Zusammenhang mit dem Einsatz von IT

In diesem Beitrag nehme ich bezug auf ein Kapitel einer Dissertation von Birgit Kannenberg-Otremba zum Thema „Informationstechnische Bildung für die Pflege: eine empirische Erhebung an Krankenpflegeschulen“ 2006

In diesem Kapitel wird dargestellt, wie sich die EDV in der Pflege entwickelt hat und welche Ziele und Erwartungen damit verbunden sind.

Häufig wird in den Kliniken die EDV vor allem für patientenferne Tätigkeiten genutzt, um somit Zeiten einzusparen, „einige Befragte können sich eine EDV-Unterstützung für patientennahe Tätigkeiten auch kaum vorstellen, da die Pflege hier aus direkter Kommunikation oder manuellen Tätigkeiten am Patienten besteht.“ ( S.99 dieses Links)

Es ist wichtig und von Vorteil, Pflegekräfte an den Planungen einer EDV Unterstützung zu beteiligen, „bisher scheint der Beitrag der Pflegekräfte im Prozess der Einführung von EDV/ IT im Krankenhaus bzw. für den Pflegebereich jedoch eher marginal zu sein.(Richter 1997)“

Die Gründe für den EDV Einsatz in der Pflege werden von der Autorin vor allem in der Kostenreduktion, der Transparenz der erbrachten Leistungen und der Sicherung und Verbesserung der Qualität der Patientenversorgung gesehen. Die Hauptgründe sind vor allem betriebswirtschaftlicher Art, es geht darum, erbrachte Leistungen sowohl zu differenzieren, als auch zu definieren, sowohl für interne als auch für externe Zwecke.

Im Folgenden sollen die pflegerischen, aber auch die Ziele für den Patienten, in Anlehnung an die Arbeitsgruppe „Informationsverarbeitung in der Pflege“ der ADS et al. 1996, dargestellt werden:


Pflegerische Ziele

Zum einen ist der Zeitgewinn für zentrale pflegerische Aufgaben zu nennen, der durch rationelleres Arbeiten und Vermeidung von Mehrfachdokumentationen bei identischen Daten den Pflegenden mehr Zeit für patientennahe Tätigkeiten bringen kann. Wobei dieser Aspekt ja bereits in anderen Bloggs diskutiert wurde, und nur dann ein Benefit bringt, wenn die Mitarbeiter sehr gut eingearbeitet sind und Routine im Umgang mit der EDV Dokumentation erworben haben.

Als ein weiteres Ziel wird von der Autorin die Verbesserung der Arbeitszufriedenheit und der Motivation genannt, da durch EDV-Einsatz gesetzliche Dokumentationspflichten rationeller erfüllt werden können und die Pflegenden somit auch eine haftungsrechtliche Absicherung haben. Eine weitere Motivationssteigerung kann durch den höheren Informationsaustausch sowohl intern als auch extern gewährleistet werden. Auch die aktive Unterstützung der Pflegeforschung und der Pflegeausbildung kann eine höhere Zufriedenheit und Motivation für jede einzelne Pflegekraft zur Folge haben, da zur Zeit meiner Meinung nach die meisten Pflegenden an der Basis doch häufig das Gefühl haben an Pflegeforschung und Ausbildung nicht beteiligt zu sein, obwohl sie bestimmt dienliche Hinweise liefern könnten.

Auch der Pflegequalitätsaspekt spielt bei den Zielen eine zentrale Rolle. Die EDV gestützte Pflegedokumentation muss laut MDS Mindestanforderungen erfüllen, die gewährleisten, das alle Schritte des Pflegeprozesses erkennbar, dargestellt und verknüpft sind und das Assessmentinstrumente und Pflegemodelle verwendet werden. Des weiteren müssen Plausibilitätsprüfungen durchgeführt werden und Änderungen und Löschungen müssen erkennbar sein. (http://www.mds-ev.org/download/P42Pflegeprozess.pdf)

Auch der berufspolitische Aspekt bei der Einführung von EDV-unterstützter Pflegedokumentation muss berücksichtigt werden. „Mit der transparenten Darstellung der pflegerischen Leistungen könnte dargestellt werden, was Pflegende genau tun und was in ihren Zuständigkeitsbereich fällt. Zudem könnte hiermit der notwendige Personalbedarf aufgezeigt werden.“ (Seite 104 dieses Links)



Ziele im Sinne des Patienten

Auch für den Patienten spielt der Pflegequalitätssteigerungsaspekt eine zentrale Rolle.

Durch die Einbeziehung des aktuellen Pflegewissenschaftlichen Know-hows in hinterlegten Informationsdatenbanken und durch den besseren Informationsstand der betreuenden Berufsgruppen, profitiert der Patient direkt. Auch der oben beschriebene Zeitgewinn kommt im Idealfall der direkten Pflege am Bett zu Gute.

Durch Informationssysteme können Termine von Untersuchungen besser koordiniert werden und Daten zuverlässiger und schneller übermittelt werden, was für den Patienten zu verringerten Wartezeiten und somit zu einem „optimierten Krankenhausaufenthalt“ führen kann.

Aber auch über den Krankenhausaufenthalt hinaus sind Vorteile für den Patienten ersichtlich, denn dadurch, das die Daten des Patienten vorhanden sind, können sie schneller und effizienter an weiterbetreuende Einrichtungen geleitet werden und führen somit zu einer „Sicherstellung der Kontinuität der pflegerischen Versorgung“.

„Gerade den Informationsaustausch zwischen Pflegenden im Krankenhaus und ambulanten Pflegediensten bzw. Pflegepersonen zu verbessern, kommt eine hohe Bedeutung zu, da hier offenbar noch erhebliche Defizite vorhanden sind.“ (vgl. Hacker et al. 1999:40)

Darüber hinaus wird von der Autorin betont, dass der Einsatz von EDV-unterstützter Dokumentation ein Verständnis für andere Berufsgruppen fördert und das multiprofessionelle Zusammenarbeiten in den Vordergrund stellt, was auch zu einer Abflachung von Hierarchien führen könnte. „In Bezug auf die Chance der multiprofessionellen Zusammenarbeit soll deshalb hier deutlich hervorgehoben werden, dass sowohl ärztliches, wie auch pflegerisches personal von gegenseitigen Informationen abhängig sind, und dies bedeutet ein Aufeinanderzugehen der beiden, hauptsächlich am Betreuungsprozess beteiligten Berufsgruppen.“ (S.106 dieses Links)

Zusammenfassend kann betont werden, das der Nutzen der EDV-unterstützten Pflegedokumentation auf der Hand liegt und auch gerade im Hinblick auf den Qualitätsaspekt zu einer Verbesserung der Patientenversorgung führen kann.

Für die Berufsgruppe der Pflegenden im Zeitalter der DRG`s ist es meiner Meinung nach dringend erforderlich, Leistungen transparent zu machen, um damit auch eine Finanzierungsgrundlage zu haben. Die EDV-unterstützte Pflegedokumentation ist ein großer Schritt in diese Richtung.

Natürlich sollte man dennoch bei der Einführung von EDV-Systeme den kritischen Blick nie verlieren und die Nutzung der EDV nicht als Wundermittel betrachten.


Link 1

Link 2

3 Comments:

Blogger sascha said...

Was in diesem Artikel als großer Vorteil für den Patienten beschrieben wurde, nämlich die Zugriffsmöglichkeit auf hinterlegte Datenbanken, ist für mich ein weiterer sehr wichtiger Aspekt für die Nutzung von EDV- basierten Dokumentationssystemen. Hier hätten sowohl die pflegepraktischen Mitarbeiter, welche seit Jahren an keinen Fortbildungsveranstaltungen mehr teilgenommen haben, als auch bspw. Ärzte besonderer Fachabteilungen, die Möglichkeit auf aktuelles, evidentes Wissen zurückzugreifen, ohne Spezialisten eines anderen Fachbereiches hinzuziehen zu müssen, um aktuelle Fragestellungen der Behandlung zu beantworten. Dies erhöht nicht nur die Behandlungsqualität, sondern entbindet auch Fachpersonal von den vielen, oftmals unnützen, "lapidaren" konsilarischen Tätigkeiten. Dies bietet zusätzlich auch noch eine rechtliche Absicherung, bei Nutzung evidenter Datenbasen im Sinne von EBM und EBN, wenn diese Nutzung dokumentiert wird.
Meiner Meinung nach liegt jedoch das größte Problem dieses Modells darin, dass zur Zeit kaum evidente Wissensdatenbanken für die Praxis zur Verfügung stehen und vorhandene Datenbanken selten mit den bereits eingeführten Systemen der Institutionen verknüpfbar sind.

21 January, 2007  
Blogger vesi said...

Der Einsatz EDV- gestützter Dokumentationssysteme bietet eine Vielzahl von Vorteilen. Die an sie gestellten Erwartungen dürften in der Umsetzung jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Neben der Datenvermittlung aus der klinischen in die weiterversorgende Einrichtung ist es wünschenswert, dass der Datentransfer technisch auch umgekehrt gelingt und Anwendung findet. Somit könnten Versorgungsbrüche und Informationsverluste beim Übergang in eine Klink verhindert werden.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht könnte die Behandlung der Patienten im Sinne der Clinical Pathways mit Hilfe der EDV- Unterstützung geplant werden. Dies würde zu einer Transparenz des Behandlungsprozesses und durch die abgestimmte Terminplanung zu einer Verkürzung der Aufenthaltsdauer führen.
Nicht zu vergessen ist hier jedoch, dass es sich bei all der Planung noch immer um Individuen handelt, bei denen unvorhersehbare Komplikationen auftreten können.
Als einen großen Nutzen sehe ich, ebenso wie der Verfasser des Bloggs, die mögliche Qualitätsverbesserung der Patientenversorgung. Allerdings setzt dies voraus, dass das Personal die zur Verfügung gestellten Informationsdatenbanken auch nutzt.
Personal, welches jahrelang keine Fortbildungen besucht hat, dürfte nur schwer zu motivieren sein, sich aktuelles Wissen selbst zu beschaffen und auch anzuwenden. Hierin liegt die Herausforderung für die Führungskräfte das Personal zu motivieren sich mit neuen Medien auseinander zu setzten.

20 February, 2007  
Blogger kei said...

Das multiprofessionelle Zusammenarbeiten aller, die an der Versorgung des Patienten beteiligt sind, erscheint mir auch durch ein gemeinsames EDV-basierendes Dokumentationssystem sehr förderlich.
Die Erfahrung in der täglichen Praxis zeigt, daß eine gemeinsame Dokumentation zu Teamgesprächen, therapeutischen Absprachen und Zielsetzungen führt. Die gemeinsame Verpflichtung, einen Therapie- und Pflegeverlauf eines Patienten zu planen und zu führen, kann zwei(oder mehrere)Berufsgruppen helfen, sich als Behandlungsteam zu verstehen, mit der Konsequenz einer Qualitätsverbesserung für den Patienten.

10 March, 2007  

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