Wednesday, January 10, 2007

Grenzen und Möglichkeiten von Pflegeinformationssystemen

Grenzen und Möglichkeiten von Pflegedokumentationssystemen

In dem Artikel von Cornelia Mahler et al. geht es um die Grenzen und Möglichkeiten von rechnergestützter Pflegedokumentation am Beispiel von PIK (Pflege- Informations- und Kommunikationssystem). Das Uniklinikum Heidelberg hat bereits auf sieben Stationen unterschiedlicher Fachrichtungen die Dokumentation mittels PIK eingeführt. Im Rahmen einer Interventionsstudie, welche auf vier Stationen durchgeführt wurde, „sollte untersucht werden welche Auswirkungen die Einführung von rechnergestützter Pflegedokumentation unter anderem bezüglich der Akzeptanz des Pflegeprozesses, der Dokumentationsabläufe und der Qualität der Pflegedokumentation, hat“ (C. Mahler et al., 2003).

Durch Fragebögen, Dokumentationsanalysen und Interviews gelangte man zu den Ergebnissen, aus denen sich die Grenzen und Möglichkeiten von rechnergestützten Pflegedokumentationssystemen ableiten lassen.

Als ein wesentlicher Aspekt stellte sich heraus, dass eine möglichst optimale Zusammenarbeit von Mensch, Technik und Aufgabe notwendig ist, um einen größtmöglichen Nutzen durch Pflegedokumentationssysteme zu erhalten.
Deshalb sollten die Mitarbeiter vor und während der Einführung eines rechnergestützten Dokumentationssystems ausreichend geschult und begleitet werden. Eine Schulung sollte sich dabei allerdings nicht nur auf den Umgang mit PC und dem System an sich beschränken, sondern auch den Pflegeprozess und haftungsrechtliche Konsequenzen einer unzureichenden Dokumentation mit einbeziehen. Damit wird die Dringlichkeit einer lückenlosen Dokumentation nochmals hervorgehoben.
Es ist wenig hilfreich, wenn den Mitarbeitern die neueste Technik zur Verfügung gestellt wird, sie deren technische Anwendung beherrschen, aber nicht der Aufgabe der Dokumentation entsprechend anwenden können, da sie beispielsweise die Schritte des Pflegeprozesses nicht kennen.
Eine rechnergestützte Pflegedokumentation bietet auch Möglichkeiten, die für die Einführung des Systems sprechen.
In der Studie der Uniklinik Heidelberg wurde folgendes deutlich:
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Das Pflegepersonal begann, die eigene Pflegedokumentation zu reflektieren.
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Der Dokumentationsprozess wurde zu einer Selbstverständlichkeit.
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Die Qualität der Dokumentation wurde dadurch verbessert.
Als positive Kriterien der rechnergestützte Pflegedokumentation können genannt werden:
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Die Pflegeberichte sind überschaubarer.
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Auch andere am Pflegeprozess beteiligte Personen haben leichteren Zugriff auf die Daten.
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Haftungsrechtliche Aspekte lassen sich schneller nachvollziehen, da aus der rechnergestützten Dokumentation hervorgeht, welche Person zu welchem Zeitpunkt einen Eintrag vorgenommen hat.

Es zeigt sich also, dass eine gute technische Ausstattung zwar Vorteile in der Anwendung bringt, aber allein nicht ausreicht, um eine gute Dokumentation zu gewährleisten. Das Zusammenspiel der oben genannten Faktoren und die damit verbundene Akzeptanz durch den Anwender sind die Grundvoraussetzungen bei der Einführung der rechnergestützten Pflegedokumentation und bilden sogleich die größte Hürde. Doch mit dem richtigen Schulungskonzept dürfte diese Hürde zu nehmen sein und zu einer erfolgreichen Arbeit mit EDV- gestützter Dokumentation führen.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/pflegebereich

4 Comments:

Blogger IB said...

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12 January, 2007  
Blogger IB said...

Fand die Zusammenfassung und Bewertung des Artikels sehr spannend.
Ich wollte nur noch etwas zu dem haftungsrechtlichen Aspekt aus meinen eigenen Erfahrungen heraus sagen.

Es ist recht schwierig zu gewährleisten das nur die in den Computer eingeloggte Person unter ihrem Namen dokumentiert, falls der Computer von mehreren Personen genutzt werden soll.

Dies wäre nur zu gewährleisten, indem jeder Mitarbeiter für seine Dienstzeit einen eigenen Computer zur Verfügung gestellt bekommt.

Da meist mehrere Mitarbeiter einen Computer benutzen müßte die Ausloggung automatisch erfolgen. Dies würde allerdings für die Mitarbeiter bedeuten, dass sie sich vor jeder Benutzung des Computers neu einloggen müssen.

Diese Vorgehensweise erscheint mir persönlich jedoch recht mühsam.

Über Lösungsvorschläge zu diesem Problem würde ich mich sehr freuen.

12 January, 2007  
Blogger santa claus said...

Bislang habe ich vorausgesetzt, dass Pflegefachkräfte Nutzer digitaler Pflegeinformationssysteme sind und/oder zukünftig sein werden. Die Notwendigkeit der Dokumentation und auch rechtliche Konsequenzen von Dokumentationslücken sollten demzufolge bekannt sein, ebenso die einzelnen Schritte des Pflegeprozesses.
Die Schulung rechnergestützter Dokumentationssysteme kann doch nicht mit der Vermittlung von Grundlagenwissen vermischt werden, das jeder Krankenpflegeschüler zu Beginn seiner Ausbildung bereits erlernt. Bedeutung und Inhalt des Pflegeprozesses sind im Krankenpflegegesetz verankert und Handlungsmodelle professioneller Pflege.
Es fällt mir schwer zu glauben, dass die Dokumentation dank EDV-Unterstützung zur Selbstverständlichkeit wurde. Auch die Heidelberger Studie belegte eine erhöhte Dokumentationsbereitschaft bei den Pflegenden (s. SSL schrieb am 27.11. "Studie Uni Heidelberg...").
Wenn rechnergestützte Dokumentation allerdings die Akzeptanz gegenüber der Dokupflicht erhöht, Motivation und Zufriedenheit bei den Mitarbeitern erhöht, Transparenz gegenüber den pflegerischen Tätigkeiten erhöht, Dokumentation lesbarer und überschaubarer wird, eine software bei Formulierungsproblemen helfen kann und auch noch schnellerer Zugriff auf Doku möglich ist, so ist damit zweifelsohne großer Nutzen für die ganze Berufsgruppe verbunden (s.auch Sabine schrieb am 19.1. "Erwartungen und Ziele...")

05 March, 2007  
Blogger ruby said...

Empirische Untersuchungen konnten mitlerweile überholte Annahmen, wie „die Angst vor dem Computer“, „der Computer macht das Arbeitsklima unpersönlich“ oder „die Arbeit in der Pflege wäre keine Büroarbeit“ widerlegen. Im Gegenteil, die Bereitschaft zur Anwendung einer IT gestützten Pflegedokumentation ist in allen Berufsgruppen (Gesundheits- und Krankenpflege, Altenpflege, Pflegehilfe) unabhängig vom Alter, der Zeit der Berufstätigkeit oder einer privaten PC Nutzung vorhanden. Hingegen ist die Dauer und Intensität der Schulung am Computer und in der Anwendung der Systeme qualitativ und quantitativ nicht ausreichend, um den Nutzer in Praxis die nötige Routine zu vermitteln.
Qualitätssichernde Maßnahmen, die Standardisierung der Pflegefachsprache, die Möglichkeit der Anwendung einer Pflegeklassifikation oder die Verwendung eines Hauskatalogs der Pflegediagnosen bleiben dadurch teilweise oder sogar ganz ungenutzt und die Mehrheit sieht den hauptsächlichen Sinn der Pflegedokumentation immer noch im Nachweis der erbrachten Leistungen und zur rechtlichen Absicherung der eignen Person.

09 March, 2007  

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