Monday, January 22, 2007

Welcher Nutzen ist mit Pflegeinformationssystemen verbunden und wie ist er nachweisbar?

In diesem Beitrag nehme ich Bezug auf einen Artikel von Prof. Dr. Roland Trill, von der FH-Flensburg: Kosten-Nutzen-Überlegungen beim Einsatz von EDV-Systemen

Den Ökonomen beeindrucken zunächst einmal Kosteneinsparungen. So wird es sich nachweisen lassen, dass durch diese Programme nicht unerhebliche Zeiten eingespart werden können (über deren Verwendung hier nicht spekuliert werden soll). Beispiele sind Wegezeiten, Suchzeiten, Zeiten für das Ausfüllen von Formularen und deren Archivierung und allgemein Zeiteinsparungen durch einen „reibungsloseren” Arbeitsprozess. Schätzungen (in Interviews oder Fragebögen) vor und nach der Einführung dieser Software werden hier maßgebliche Effekte offenbart. Der Autor sieht hier Potentiale von 15–20 % der täglichen Arbeitszeit.
Ganz genau rechnende Organisatoren werden mit Hilfe von arbeitswissenschaftlichen
Methoden eine hohe Exaktheit erreichen können. Diese Zeiten sind eindeutig quantifizierbar. Aus diesem Grunde finden Sie in der nachstehenden Tabelle auch hohe Wirkungsgrade (+++) in der dritten Spalte. Konkret werden auch Kosten für Büro- und Verwaltungsmaterialien entfallen, wenn auch der Effekt hier nicht so ausgeprägt wie bei den Arbeitszeiten sein kann.



Tabelle: Nutzen-Erwartungen

Auch direkt messbar erscheint dem Autor die zunehmende Transparenz über das Leistungsgeschehen. Diese Transparenz führt zu positiven Wirkungen für das Krankenhaus-
sowie das Pflegemanagement. Entscheidungen können schneller, manchmal zum ersten Mal fundiert getroffen werden (z.B. die Verbrauch von Pflegeartikeln bezogen auf bestimmte Patientengruppen). Auch an dieser Stelle verspricht die Vorher-Nachher-Betrachtung durchaus monetär darstellbare Ergebnisse. Durch diese Transparenz können darüber hinaus Planungen
fundierter durchgeführt werden. Das gilt auch für die Planung des gesamten Patientenaufenthaltes, was letztlich zu dessen Zufriedenheit beitragen wird.
Ein indirekter Effekt ist für die Pflegequalität zu erwarten.
Die Qualität wird nicht nur deutlich und vergleichbar, sie erlaubt eine nachvollziehbare permanente Verbesserung, die wiederum dem Erhalt der Existenz des Krankenhauses dient. Aufgrund der Messproblematik (bei der Ergebnisqualität) werden insbesondere Schätzungen eingesetzt werden müssen.
Umfassende Informiertheit und Sicherheit werden die Motivation der Mitarbeiter fördern. Gleichfalls erwartet der Autor positive Auswirkungen auf das Betriebsklima (durch die verbesserte Prozessorganisation reduzieren sich Reibungen und Aggressionen). Allerdings dürfte es sehr schwierig sein, die genannten Wirkungen zu isolieren, da das soziale System „Station” sehr dynamisch ist und ständiger Veränderung unterliegt.
Die Isolation der EDV-Wirkungen kann nur mit Hilfe umfangreicher Gespräche gelingen.
Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang der Datenschutz (Aufwendungen
hierfür sind in der o.g Beispielrechnung nicht enthalten). In vielen Krankenhäusern muss auch unter konventionellen Bedingungen mit Schwächen des Datenschutzes gerechnet werden. Nicht wenige Praktiker versprechen sich durch eine Unterstützung der Arbeitsprozesse durch Software eine Verbesserung, wenigstens wenn es um die Verfolgung von Verstößen geht (durch die Protokollierung). Mittlerweile existieren eine Reihe unterschiedlicher Technologien. Das Passwort scheint dabei nur eine Diskussionsalternative zu sein. Seine Anwendung ist hinsichtlich des Workflows problematisch. Projekte werden zeigen müssen, welches Verfahren gerade für die Pflege und die Medizin von Vorteil ist.
Insgesamt werden starke Nutzenwirkungen erwartet, die aufgrund der o.g. Ausführungen auch nachvollziehbar dokumentiert werden können. Es müsste im Interesse der Software-Anbieter liegen, diesbezüglich Studien zu initiieren, da mit Ihnen eine Überzeugung auch der Skeptiker möglich sein wird! Studien aus anderen Ländern erscheinen nur begrenzt nutzbar, da dort i.d.R. andere Prozesse abgebildet werden. Was allerdings hilfreich ist, sind die durchgängigen Aussagen aus amerikanischen Veröffentlichungen, dass derartige Systeme ökonomisch „vernünftig” sind.

Link: http://www.pflege-informatik.info/

1 Comments:

Blogger santa claus said...

Hochinteressant finde ich die Ideen es Prof. Trill, aber sie muten auch reichlich futuristisch an.
Hat man sich eine Krankenhausstation vorzustellen, deren Mitarbeiter per Funk miteinander kommunizieren und auf der jede patientenrelevante Information mittels mobiler Rechner sofort erfaßt wird?
Wahrscheinlich käme es tatsächlich zu Materialeinsparungen. Gravierender dürften aber die Einsparpotentiale im Personalbereich durch den Wegfall von Wegezeiten, Suchzeiten und Zeiten der Mehrfachdokumentation sein.
Da es sich bei den Personalkosten bekanntlich um den weitaus größten Teil der Gesamtkosten einer Gesundheitseinrichtung handelt,können Einsparungen von 15-20% in diesem Bereich als schlafkräftiges Argument für die Investition in eine entsprechende technische Aufrüstung kaum entkräftet werden.
Die Kosten-Nutzen-Überlegungen können nur zugunsten der Technik ausfallen.
Ein wenig beklemmend finde ich allerdings das Gefühl der totalen Abhängigkeit von der Technik.
Jeder EDV-Anwender kennt das Gefühl der Ohnmacht und Verzweiflung, wenn das System wieder mal versagt.
Wie sieht es hier mit der Sicherung der sensiblen Patientendaten aus?
Und wie können die, dank EDV bis zur Perfektion optimierten, Prozesse im Falle einer Störung reibungslos fortgesetzt werden?
Zweifelsohne sind die Ausführungen hochinteressant und bieten der Phantasie ausreichend Raum. Solange allerdings basics, wie die Dokumentation nicht vorhanden sind und/oder nicht reibungslos funktionieren, kann es sich nur um Zukunftsmusik handeln.

06 March, 2007  

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